Die ignorierte Mehrheit

Diskriminierte Mehrheit

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Vom 10. – 13.Februar waren wir für euch auf der Premium Modemesse, um neue Plussize Designer bzw. schöne Accessoires Labels für euch und lovelycurves.de zu finden. Schon nach den ersten Schritten in die Halle war klar, dass unsere hohen Ziele nicht umzusetzen sind. Wir waren mehr oder weniger überrascht, dass es relativ trostlos werden würde.

Mit großer Hoffnung sind wir auf die Messe gereist, einige schöne Designer für uns an Land ziehen zu können. Doch weit gefehlt. Das Problem: Plussize Designer waren gar nicht vertreten! Und die Marken, die bis Größe 46 produzieren würden, erteilten uns eine Absage. Und ansonsten bekamen wir auf die Frage, ob die Kollektion auch größere Größen berücksichtigt ein klares Nein zu hören. Die meisten Kleidungsstücke gibt es nur bis Größe 42. Und auch da ist, wenn die Mode nicht gerade Oversize bevorzugt oder ein Stretchanteil eingenäht wurde, einfach wenig Platz für Busen, Hintern, Schenkel oder ein Bäuchlein - kurz weibliche Formen. Die sind nicht vorgesehen. Da spindeln die Blusen am Busen, Reißverschlüsse gehen nicht zu und Röcke spannen ganz unvorteilhaft.

Das mussten wir jetzt wieder erleben, als wir auf den Münchner Ordermessen nach schönen Labels für unser Plus-Size-Startup Lovely Curves suchten. Auch wenn sogar Heidi Klum Plus-Size Models bei sich in der Sendung hat, bei den Herstellern scheint dieser Trend noch nicht angekommen zu sein. Was heißt denn Trend? Über 50 Prozent aller deutschen Frauen tragen 42 und mehr - das ist wohl die diskriminierteste Mehrheit der Gesellschaft. Über 50 Prozent für die es Bekleidung gibt, aber noch immer zu wenig wirklich Modisches. Nicht, weil sie nicht wollen, was einige unterstellen, sondern einfach, weil sie nicht können.  "Wir könnten davon so viel verkaufen", seufzen viele Agenturmitarbeiter, die dort auf der Supreme und der Premium ihre Labels anbieten. "Aber die Hersteller machen das einfach nicht. Es ist ein riesiger Markt und keiner scheint ihn bedienen zu wollen." Warum ist das so? Es gibt diverse Erklärungen: zu komplizierte Schnittmuster bei Plus-Size, die Mode stammt aus Ländern, in denen die Bevölkerung kleiner ist, etc.

Aber wir glauben, es ist eine Imagefrage: Viele Marken und deren Designer wollen nicht, dass rundere (ab Größe 42!!!!) Frauen ihre Kleidung tragen. Man möchte nicht im Umfeld dieser unhippen Klientel werben müssen. (Achtung Ironie). Da lassen Marken und Einzelhandel auch lieber Millionen (vermutlich sogar Milliarden) an Umsatz liegen, als sich auf die neuen, kurvigen, selbstbewussten Frauen einzustellen.

Wir sind uns ziemlich sicher, das Elend hat bald ein Ende. Schon jetzt wird in der Fashionbranche emsig mit 3D-gedruckten und damit individuell anpassbaren Kleidern experimentiert. Bald kann man sich sein Traumkleid zentimetergenau drucken lassen. Und bis es soweit ist, bekommen wir die Zeit auch rum mit den Labels, die fair zu uns sind und passende Mode bereitstellen.

Eure Katrin und Saskya

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